Medikamente

Medikamentöse Behandlung zur Senkung des Herz-Kreislauf-Risikos

Entscheidungsmöglichkeiten für eine medikamentöse Behandlung

Die Folgen von ungesunden Lebensgewohnheiten können Sie nicht allein durch Medikamente verhindern oder ausgleichen. Allerdings können Medikamente dazu beitragen, Ihr Herz-Kreislauf-Risiko zu verringern, wenn Lebensstiländerungen nicht zum gewünschten Erfolg führen oder nicht in ausreichendem Maße umgesetzt werden (können). Arzneimittel zur Cholesterin- oder Blutdrucksenkung können – insbesondere zu Behandlungsbeginn – unerwünschte Nebenwirkungen verursachen. Nach einigen Wochen lassen diese meist nach. Um die erwünschte Wirkung zu erreichen, müssen manchmal mehrere Medikamente ausprobiert werden. Wichtig ist, dass Sie diese Medikamente regelmäßig und entsprechend der verordneten Dosierung einnehmen.

Medikamente zur Senkung des Blutdrucks

Medikamente zur Senkung des Blutdrucks.

Es gibt verschiedene Medikamente zur Senkung des Blutdrucks, bei denen eine gute Wirksamkeit nachgewiesen wurde. Die Auswahl der Wirkstoffe beruht im Wesentlichen auf folgenden Faktoren:

  • Höhe des Blutdrucks
  • Höhe des Herz-Kreislauf-Risikos (über 20%)
  • Zusätzliche chronische Erkrankungen
  • Mögliche Nebenwirkungen

Ein einzelner Wirkstoff kann den systolischen Blutdruck durchschnittlich um ca. 7 – 15 mmHg und den diastolischen Blutdruck um ca. 5 – 10 mmHg senken. Ist eine höhere Blutdrucksenkung erforderlich, können mehrere Wirkstoffe verordnet werden. Empfohlen werden dann sogenannte Kombinationspräparate (ein Medikament enthält mehrere Wirkstoffe).

Medikamente zur Senkung der Cholesterinwerte

Medikamente zur Senkung der Cholesterinwerte.

Ab einem Herz-Kreislauf-Risiko von mehr als 20% oder bei Diabetes mellitus steht die Senkung des LDL-Cholesterins durch sogenannte Statine im Vordergrund. In klinischen Studien wurde nachgewiesen, dass der Einsatz von Statinen die Herzinfarktrate senkt. Studien zum Einsatz von Medikamenten, die den HDL-Spiegel erhöhen, zeigen dagegen widersprüchliche Ergebnisse. Falls Statine nicht eingesetzt werden können, ist nach Abwägung und ärztlichem Rat die Verordnung anderer Präparate möglich.

Weitere Informationen zu Statinen finden Sie unter Weblinks und weitere Infos → „Erhöhter Cholesterinspiegel“.

Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung

Nach neueren Studien werden Gerinnungshemmer (z. B. ASS) nur noch dann empfohlen, wenn die Arterien bereits deutlich geschädigt sind, z. B. nach einem Herzinfarkt, Schlaganfall, bei einer arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) oder Ähnlichem.

Aktuelle Informationen für Patient*innen zu Gerinnungshemmern finden Sie auf den Seiten des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Was sind Gerinnungshemmer?

Medikamentöse Behandlung Übersicht

Medikamentöse Behandlung Übersicht

Hier sehen Sie eine Auswahl der am häufigsten verordneten Arzneimittel zur Senkung des Herz-Kreislauf-Risikos.

SubstanzklasseWirkstoffe
(nur häufig verordnete Präparate)
WirkungenMögliche Nebenwirkungen
(nur die wichtigsten möglichen Nebenwirkungen)

Diuretika
(Entwässerungsmittel)
Thiazide: HCTEinsatz zur Blutdrucksenkung und bei Herzinsuffizienz. Die Wirkstoffe verstärken die Nierentätigkeit und fördern so die Ausscheidung von Wasser aus dem Körper.Störung des Flüssigkeits- und
Mineralstoffhaushaltes

ACE-Hemmer
Ramipril
Enalapril
Einsatz zur Blutdrucksenkung vor allem bei Herzinsuffizienz und nach Herzinfarkt. Die Wirkstoffe erweitern die Blutgefäße. Dadurch kann das Blut leichter durch die Gefäße fließen.Trockener Husten, Heiserkeit, Halsschmerz, Hautreaktionen (Nesselsucht), Ödeme
AT1-Antagonisten
(Angiotensin-II-Rezeptorblocker)
Losartan
Valsartan
Candesartan
Einsatz zur Blutdrucksenkung vor allem bei Herzinsuffizienz und nach Herzinfarkt, wenn bei ACE-Hemmern Nebenwirkungen auftreten sollten. Die Wirkstoffe erweitern die Blutgefäße. Dadurch kann das Blut leichter durch die Gefäße fließen.Benommenheit, Schwindel,
Kopfschmerzen
Kalzium-
Antagonisten
(Kalziumkanalblocker)
Amlopidin
Nifedipin
Einsatz zur Blutdrucksenkung, bei koronarer Herzkrankheit und zur Behandlung
von Herzrhythmusstörungen. Die Wirkstoffe beeinflussen die Herzfrequenz und erweitern die Blutgefäße.
Ödeme, Hautrötungen
und Wärmegefühl, Kopfschmerzen
BetablockerAtenolol
Bisoprolol
Metoprolol
Einsatz häufig nach einem Herzinfarkt.
Die Wirkstoffe senken den Blutdruck, die Herzfrequenz und die Schlagkraft des Herzens, um dieses zu entlasten.
Zunahme von Atembeschwerden
bei bestehendem
Asthma; Kopfschmerzen,
Müdigkeit, Benommenheit,
Schwindel, depressive
Verstimmungen, Herzrhythmusstörungen
StatinePravastatin, SimvastatinEinsatz zur Senkung des
LDL-Cholesterins, um Gefäßablagerungen zu verringern.
Muskel- und Gelenkschmerzen,
Muskelkrämpfe,
Erhöhung von Leber-Enzym-Werten
Gerinnungshemmer, Plättchenhemmer
(Thrombozyten-
aggregationshemmer)
ASS (Acetylsalicylsäure)Einsatz nach Herzinfarkt, Schlaganfall aufgrund von Arteriosklerose. Der Wirkstoff verbessert die Fließeigenschaften des Blutes.Übelkeit, Sodbrennen,
Erbrechen; Schleimhautreizungen,
Blutungen im
Magen-Darm-Trakt, Magengeschwüre

Gerinnungshemmer,
Orale Antikoagulanzien (OAK),
Vitamin-K-Antagonisten und
Neue / Direkte OAK

Phenprocoumo
(z. B. Marcumar), Warafin
und
Apixaban, Dabigatran, Edoxaban, Rivaroxaban
Einsatz bei Vorhofflimmern, bei Schädigung der Venen oder Gerinnungsstörungen.Übelkeit, Sodbrennen, Erbrechen; Schleimhautreizungen, Blutungen im Magen-Darm-Trakt, Magengeschwüre

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